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Warum die OPEC am Freitag den Ölhahn offen lässt

Von Mario Springer, Geschäftsführer

An diesem Freitag findet das halbjährliche OPEC-Treffen in Wien statt. Doch während das Überangebot an Öl an den Weltmärkten den Preis weiter drückt, werden sich die Kartellmitglieder wohl dafür entscheiden, den Ölhahn trotzdem offen zu lassen.

Teil 56_statistic_id218658_monatsdurchschnittspreise-ausgewaehlter-opec-rohoele-bis-april-2015Der Grund dafür ist einfach: Während die OPEC-Staaten Saudi-Arabien oder Kuwait auch bei einem Ölpreis von 60 Dollar noch mit gutem Profit produzieren können, schädigt der niedrige Preis vor allem die Fracking-Industrie in Nordamerika. Die Produzenten in den USA und Kanada ächzen seit Monaten unter dem Preisverfall, es gab Entlassungen und viele Bohrlöcher wurden wieder dicht gemacht – eine Marktbereinigung ganz nach dem Geschmack des Kartells.

Schon im November blieb man stur

Momentan kostet Öl der Sorte Brent etwa 65 Dollar pro Barrel, zum Vergleich: Vor einem Jahr zahlte man noch gut 115 Dollar. Dann förderten die Marktteilnehmer, als gäbe es kein Morgen, und zu Jahresbeginn rutschte der Preis auf kaum 46 Dollar. Bereits beim letzten turnusmäßigen Treffen der OPEC im vergangenen November hatte sich das Kartell darauf verständigt, die Produktion unvermindert hoch zu lassen. Gut 30 Millionen Barrel werden seitdem pro Tag von den Mitgliedsländern gefördert.

Vor allem Saudi-Arabien sperrt sich gegen eine Produktionskürzung. Der Primus unter den Kartell-Staaten förderte im Mai die Rekordmenge von im Schnitt zehn Millionen Barrel pro Tag an die Oberfläche. Riad und die anderen Golfstaaten sind der festen Überzeugung, dass sich die Preise wieder erholen werden.

Stunde der Wahrheit in Teheran

Zwei Ereignisse im Juni könnten jedoch großen Einfluss auf den Ölpreis haben: Die US-Notenbank wird sich entscheiden, welche Geldpolitik sie in den kommenden Monaten verfolgen wird, und bei den Atomverhandlungen zwischen dem Iran und der 5+1-Gruppe könnte es zu einer Einigung kommen. Beide Ereignisse werden am Ölmarkt spürbar sein. In den vergangenen Wochen war der Dollar-Kurs stark gestiegen und hatte damit das Rohöl in vielen Währungsräumen verteuert.

Und falls sich der Westen mit dem Iran einigen würde, käme es erst recht zu einer Ölschwemme: Vize-Ölminister Rokneddin Dschawadi hatte im Mai erklärt, er hoffe, dass sich die iranischen Ausfuhren binnen drei Monaten auf rund 2,5 Millionen Barrel pro Tag erhöhen, sobald die verhängten Sanktionen wieder aufgehoben werden. Seit 2012 wurden die Ölexporte des Landes durch die Strafmaßnahmen auf rund eine Million Barrel pro Tag mehr als halbiert. Am 30. Juni soll feststehen, ob das Atomabkommen zustande kommt.

Für den Ölpreis könnte der Juni also zu einem spannenden Monat werden.

Grafik: Statista

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  1. […] Diese Entscheidung war keine Überraschung: Obwohl das Angebot auf dem Weltmarkt bereits groß ist, … Erwartungsgemäß befindet sich der Ölpreis nun auf Talfahrt. […]

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