OILCO-Energiewelt Analysen

Warum der Ölpreis jetzt wieder anzieht

von Mario Springer, Geschäftsführer OILCO Energy Trading

110 Dollar, 75 Dollar, dann waren’s nur noch 43 Dollar – mit der Rutschpartie des Ölpreises seit dem vergangenen Sommer soll bald Schluss sein. Das zumindest glaubt die Internationale Energieagentur (IEA) gemäß ihres „Mittelfristigen Ölmarktberichts“, den sie in dieser Woche in London vorstellte. Gut 60 Prozent hat das schwarze Gold seit Juni 2014 an Wert eingebüßt.

Mittlerweile hat sich der Preis bei etwa 55 Dollar eingependelt. Zugleich korrigierte die IEA ihre eigene Prognose über den globalen Öl-Bedarf nach unten: Die Agentur kalkuliert für dieses Jahr mit durchschnittlich 93,3 Millionen Barrel pro Tag – in ihrem vorherigen Bericht war noch von 94,2 Millionen Barrel die Rede. Bis 2020 geht die IEA von einem jährlichen Anstieg der Nachfrage um 1,2 Prozent aus. Entsprechend wird auch der Preisanstieg gebremst. Insgesamt dürfte die Förderung außerhalb der OPEC um 350.000 Barrel pro Tag niedriger ausfallen als zuletzt gedacht. Vor allem Kolumbien sei für die Entwicklung verantwortlich.

Im Gegensatz zu früheren Abwärtsbewegungen ist außerdem nicht zu erwarten, dass der niedrige Ölpreis zu einem nennenswerten Schub der Wirtschaftskraft führen werde. Begründung: Die schwache Nachfrage selbst habe zum Teil zum jüngsten Sinkflug beigetragen. Vor allem China zeigt sich grade kraftlos und der verringerte Kraftstoffverbrauch in den Entwicklungsländern ist bemerkenswert. Auf eine kräftige Konjunkturbelebung durch den niedrigen Ölpreis wird die Welt also vergeblich warten.

Neben der schwächelnden Nachfrage spielt natürlich auch die weiterhin ungebremste Förderung eine wichtige Rolle: Die OPEC, allen voran Saudi-Arabien, aber auch die USA fördern, was der Boden hergibt. Und ausgerechnet die Vereinigten Staaten sind denn auch der große Gewinner dieser Entwicklung, wie die IEA feststellte.

Denn mit der Gewinnung von Öl aus Schiefergestein können die USA flexibler auf Marktveränderungen reagieren als andere Länder, sagte IEA-Chefin Maria van der Hoeven. Zwar führt die derzeitige Förderwut (vor allem bei den Saudis) dazu, dass die Investitionen beim US-Schieferöl momentan zurückgehen. Aufgrund des jüngsten Ölpreisverfalls hatten Unternehmen neue Förderprojekte verschoben oder teilweise ganz aufgegeben. Doch das werde nicht das Ende der Förderung durch Fracking sein. Unkonventionelle Förderstätten können bei steigenden Preisen rasch hochgefahren werden. Gut möglich, dass die US-Schieferöl-Produktion in einigen Jahren sogar gestärkt aus der Preisdelle herauskommt.

Einen großen Verlierer hat die Agentur natürlich auch ausgemacht (und oft genug haben wir darauf hingewiesen): Es ist Russland, das sich nicht ohne Grund gerade wie der Macho unter den Weltmächten aufführt. „Russland sieht sich einem Sturm von niedrigen Preisen, Sanktionen und Währungsschwankungen ausgesetzt“, erklärte van der Hoeven. Der russische Rohöl-Tagesausstoß werde bis 2020 um 560.000 Barrel sinken, prognostiziert die IEA nun. Zahlreiche andere Staaten wie Venezuela oder der Iran, deren Staatshaushalt am Ölexport hängt, bekommen ebenfalls massive Probleme. Und Konzerne wie Shell oder BP haben bereits drastische Einsparungen angekündigt. In teuren Förderregionen wie der Nordsee wurden schon Personal-Entlassungen eingeleitet.

Die IEA erwartet nun zwar keine starke Preiserhöhung, aber zumindest verdichten sich die Anzeichen für eine Trendwende. Eine Rückkehr zu den Höchstwerten der vergangenen drei Jahre werde es aber noch nicht gleich geben, prognostiziert der Bericht. Vielmehr sei davon auszugehen, dass sich die jüngste Erholung der Ölpreise „in einem vergleichsweise begrenzten Rahmen“ bewegen werde.

Doch egal, wie man’s dreht und wendet: Die Zeit des Billig-Öls könnte bald abgelaufen sein.

 

 

Warum der Ölpreis jetzt wieder anzieht

Quellen: OILCO Research

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