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Pech für RWE und EON: Norwegen zieht sich aus der Kohle zurück

Von Mario Springer, Geschäftsführer

Pech für RWE und EON: Norwegen zieht sich aus der Kohle zurück. Am Mittwochabend beschloss der Finanzausschuss des Parlaments in Oslo einstimmig, dass der norwegische Pensionsfonds – der größte Staatsfonds der Welt – seine Anteile an einigen Energie- und Bergbauunternehmen verkaufen muss. Teil_55_statistic_id208474_groesste-staatsfonds-weltweit-nach-verwaltetem-vermoegen-2015

Diese Regelung soll greifen, wenn die Unternehmen mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes aus dem Kohlegeschäft generieren. Durch den Ausstieg stehen auch die Beteiligungen des Fonds an den deutschen Versorgern RWE und EON (bzw. deren geplanter Abspaltung „Uniper“) auf dem Spiel. Mit jeweils etwa 2 Prozent gehört der norwegische Pensionsfonds zu den wichtigsten Investoren der beiden größten Energieversorger Deutschlands.

835 Milliarden Euro schwer

Der Grund für den Ausstieg ist der Umweltschutz. Oder wie der Sprecher des Finanzausschusses, Torstein Tvedt Solberg, es begründete: „Das ist ein großer Sieg. Für das Klima und nicht zuletzt, weil wir so eine klare Entscheidung getroffen haben, hinter der alle stehen.“ Am 5. Juni muss das norwegische Parlament diesen Schritt noch absegnen, doch eine Zustimmung gilt als sicher.

Der norwegische Staatsfonds speist sich aus den Einnahmen der Ölförderung, momentan ist er gut 835 Milliarden Euro (882 Milliarden Dollar) schwer (s. Grafik). Beobachter sehen in dem Ausstieg aus der Kohle eine Präventionsmaßnahme vor dem Klimagipfel in Paris.

Vor allem RWE stand schon lange im Visier der Skandinavier. Die gut 2-prozentige Beteiligung des Pensionsfonds entspricht einem Aktienpaket im Gesamtwert von etwa 300 Millionen Euro. Die Stromerzeugung aus Kohle macht bei RWE mehr als 60 Prozent aus, die Norweger hätten nach diesem Beschluss also kaum eine andere Wahl als auszusteigen. Bereits mehrfach hatten die Fondsverwalter von RWE einen Ausstiegsplan aus der Kohle angefordert.

EON bleibt unter der 30-Prozent-Marke

Etwas entspannter sieht die Situation bei EON aus, obwohl die Norweger hier sogar fast 600 Millionen Euro investiert haben. Zum einen liegt der Anteil der Stromerzeugung aus Kohle bei EON unter der entscheidenden 30-Prozent-Marke. Zum anderen will das Unternehmen ohnehin seine Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke in die neue Gesellschaft namens Uniper auslagern.

Mit dem Ausstieg aus der Kohle folgt der Staatsfonds vielleicht auch nur den Zeichen der Zeit. Kürzlich hatte zum Beispiel die Bank of England erklärt, dass zukünftig weite Teile der Kohle-, Öl- und Gasförderung wertlos werden könnten, falls sich die Staaten auf harte Klimaschutzmaßnahmen einigten.

Grafik: Statista

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