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Neuer BP-Jahresbericht: USA wegen Fracking jetzt die Nummer 1 beim Öl

Von Mario Springer, Geschäftsführer

Zum mittlerweile 64. Mal hat BP heute Vormittag seinen Jahresbericht, die „Statistical Review of World Energy“ veröffentlicht. Das Unternehmen attestiert darin für das Jahr 2014 weit reichende globale Veränderungen – sowohl in der Produktion als auch im Verbrauch von Energie.

Die wichtigste Entwicklung beim Öl ist zweifelsohne, dass die Förderung von Schiefergas und Schieferöl in den USA zu einer immensen Umwälzung geführt hat. Denn nun haben die Vereinigten Staaten Saudi-Arabien als weltweit größten Ölproduzenten abgelöst und Russland als die weltweit größte Fördernation von Öl und Gas überholt. Dies erklärt auch die aktuelle Preispolitik der OPEC, die ihre Fördermenge derzeit auf dem Rekord von 30 Millionen Barrel pro Tag hält – den USA, die durch das Fracking zur Nummer 1 beim Öl geworden sind, sollen wieder Marktanteile abgenommen werden. Koste es, was es wolle.

Neue Förderrekorde in den USA, Kanada und Brasilien

Laut BP stieg die Ölförderung außerhalb der OPEC um 2,1 Mio. Barrel pro Tag (bpd) und damit um den höchsten im Bericht je verzeichneten Wert. Dabei erzielten die USA mit einem Plus von 1,6 Mio. bpd den weltweit größten Anstieg und verzeichneten darüber hinaus als erstes Land überhaupt eine Steigerung der Förderung um mindestens 1 Mio. bpd in drei aufeinanderfolgenden Jahren. Neben den Vereinigten Staaten haben auch Kanada (+310.000 bpd) und Brasilien (+230.000 bpd) neue Rekorde bei der Ölförderung erzielt.

Übrigens – am schwarzen Gold führt weiterhin kein Weg vorbei: Öl ist mit einem Marktanteil von 32,6 Prozent am weltweiten Energieverbrauch weiterhin der wichtigste globale Energieträger. Doch seine Ära verliert an Glanz: Bereits im fünfzehnten Jahr in Folge musst Öl Markanteile an andere Energieträger abgeben.

Die Entwicklung beim Erdgas stagniert dagegen etwas: Sein globaler Verbrauch stieg 2014 um nur 0,4 Prozent und lag damit deutlich unter dem Zehnjahres-Mittelwert von 2,4 Prozent. Ganz schlimm sieht’s in Europa aus, da verzeichnete man mit -11,6 Prozent den größten je vermerkten prozentualen und volumetrischen Rückgang. Und beim Flüssiggas? Die weltweiten Handelsaktivitäten mit LNG stiegen ebenfalls um 2,4 Prozent. Die internationalen Handelsaktivitäten mit Erdgas machten 29,4 Prozent des globalen Gasverbrauchs aus, der LNG-Anteil am globalen Gashandel liegt bei 33,4 Prozent.

Kohle verliert, Atomenergie im Aufwind

Die Attraktivität der Kohle hat deutlich nachgelassen. Ihr globaler Verbrauch erhöhte sich 2014 nur noch um 0,4 Prozent, damit lag er deutlich unter dem durchschnittlichen Steigerungswert von 2,9 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Der Anteil von Kohle am weltweiten Primärenergieverbrauch ist auf 30,0 Prozent gesunken. Vor allem die stagnierende Wirtschaft in China macht der Kohle-Nachfrage zu schaffen. Insgesamt ist die globale Kohleförderung um 0,7 Prozent gesunken, die großen Anstiege in Indien (+6,4 Prozent) und Australien (+4,7 Prozent) konnten dabei die Rückgänge in China (-2,6 Prozent, weltweit der größte volumetrische Rückgang) nicht auffangen.

Die Energieerzeugung durch Atomkraft erhöhte sich 2014 überdurchschnittlich stark um 1,8 Prozent. Erstmals seit 2009 hat die Kernenergie weltweit wieder Marktanteile hinzu gewonnen. Vor allem der wachsende Einsatz von AKW in Südkorea, China und Frankreich konnte die rückläufige Entwicklung (z.B. in Japan) mehr als ausgleichen.

Solarenergie – hui, Biokraftstoffe – naja…

Die erneuerbaren Energien befinden sich erwartungsgemäß auf dem Vormarsch – beim Primärenergieverbrauch erreichen sich einen neuen Rekordanteil von 3,0 Prozent (2005 waren es nur 0,9 Prozent). Unterschiede gibt es unter den einzelnen erneuerbaren Energieträgern: Weltweit stieg der Einsatz von Windkraft (+10,2 Prozent, + 65 Terawattstunden) um weniger als die Hälfte des Durchschnittswerts der letzten 10 Jahre. Dagegen wuchs die Stromerzeugung mit Solarenergie um 38,2 Prozent (51 Terawattstunden). Die Produktion von Biokraftstoffen erhöhte sich mit +7,4 Prozent (144.000 bpd) eher unterdurchschnittlich.

Dennoch gehört den erneuerbaren Energien die Zukunft. Sie stellten 2014 auch weiterhin die am schnellsten wachsende Energieart dar. Sie machten ein Drittel der Erhöhung des globalen Energieverbrauchs 2014 aus, was vor allem daran lag, dass sich die Steigerung des weltweiten Energieverbrauchs insgesamt verlangsamt hat.

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