OILCO-Energiewelt Analysen
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Gazprom lässt die Nord-Stream-Pipeline ausbauen

Von Mario Springer, Geschäftsführer

Die Ukraine wird von den Energietransporten zwischen Russland und dem Westen weiter isoliert: Auf dem internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg beschlossen Gazprom, Shell, Eon und OMV eine Erweiterung der Ostsee-Pipeline Nord Stream. Seit 2012 wird durch diese Pipeline Gas aus Sibirien nach Deutschland und in weitere Staaten Europas gepumpt.

Teil_62_statistic_id388581_laenge-der-nach-deutschland-fuehrenden-erdgaspipelines-2015Bisher kann sie jährlich 55 Milliarden Kubikmeter durchleiten (= die Hälfte des deutschen Jahresverbrauchs). Jetzt sollen zu den beiden bestehenden Leitungssträngen zwei weitere errichtet werden, womit sich auch die Kapazitäten verdoppeln sollen. Diese Entscheidung stellt einen Strategiewechsel dar: Erst im Januar hatte Gazprom angekündigt, Nord Stream nicht ausbauen zu wollen. Die Gründe dafür lagen auf der Hand: Die Nachfrage nach russischem Erdgas war im Westen vor allem wegen der milden Temperaturen gefallen.

In 5 Jahren kein russisches Gas mehr durch die Ukraine

Nun aber will Russland vor allem wieder Geopolitik betreiben – unabhängig von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (oder nachhaltigen Initiativen wie der Energiewende). Putin hat vorgegeben: Ab 2020 soll kein russisches Gas mehr durch die Ukraine nach Westeuropa fließen. Dieser Logik folgend, wird nun Nord Stream ausgebaut. Russland plant neben den Nord-Stream-Strängen auch die neue Leitung Turkish Stream durch das Schwarze Meer in die Türkei und bis nach Griechenland (Kapazität: 63 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr). Auch mit diesem Projekt soll die Ukraine umgangen werden.

Die Pläne für die erweiterte Nord Stream sind weit gediehen: Das Gas soll über Deutschland hinaus transportiert werden, erklärte Gazprom-Chef Alexej Miller in einem Interview. Der österreichische Energiekonzern OMV will seine Heimat zu einem der größten Umschlagplätze für Gas in Europa machen. Die Kosten für die Verlängerung werden auf etwa zehn Milliarden Euro geschätzt. BASF will an dem Projekt mitarbeiten, auch Wintershall prüft eine Beteiligung.

Die Ostsee sei „eine zuverlässige Lösung“

Russland hat die Ukraine mittlerweile zu einem „unzuverlässigen Transitland“ erklärt. Immer wieder hatte es in der Vergangenheit Ärger um ein angeblich illegales Abzapfen von Gas gegeben. Die beiden Länder streiten zudem über Lieferpreise und Gas-Schulden. Das ganze Nord-Stream-Projekt war überhaupt nur konzipiert worden, um unabhängiger von Kiew zu werden. Über den Ausbau der Pipeline ließ Eon nun verkünden: „Die Realisierung von Nord Stream hat gezeigt, dass der Gastransport durch die Ostsee eine zuverlässige Lösung ist, die zur Deckung des Energiebedarfs beiträgt.“

Der kalte Krieg an der Ostgrenze Europas könnte durch dieses Projekt noch einmal ein Stück eisiger werden.

(Grafik: Statista)

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