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Droht RWE die Verstaatlichung?

Von Mario Springer, Geschäftsführer

Der zweitgrößte Energiekonzern Deutschlands hat schon bessere Zeiten gesehen: Der Börsenwert von RWE wird heute auf 12,4 Milliarden Euro taxiert – damit hat das Unternehmen seit Beginn der Energiewende gut zwei Drittel seines Wertes eingebüßt. Neben dem Atomausstieg sorgen momentan die sinkenden Strompreise für Probleme.

Teil_57_statistic_id170384_groesste-energieversorger-in-deutschland-nach-umsatz-2014Der RWE-Finanzchef Bernhard Günther erklärte jetzt der „Börsen-Zeitung“ den Grund für den anhaltenden Pessimismus: „Wenn die Strompreise und die Regulierung so bleiben wie bisher, dann wird unser Ergebnis in der Stromerzeugung nicht nur 2015, sondern auch 2016 noch einmal weiter bergab gehen.“ Erst danach, 2017, werde sich das aktuelle Strompreisniveau auch in den Ergebnissen widerspiegeln. In den vergangenen Monaten waren die Preise durch den Ausbau des Ökostroms und wegen der Überkapazitäten an Kraftwerken auf den tiefsten Stand seit Jahren gefallen.

38 Milliarden Euro für den Atomausstieg

Neben den Strompreisen macht aber vor allem der Atomausstieg RWE zu schaffen. Da sorgt nun Ex-Wirtschaftsminister Werner Müller für Schlagzeilen – der parteilose Energiepolitiker kann sich die Gründung einer Atomstiftung vorstellen. Sie soll für den Abriss der Kernkraftwerke und die Endlagerung des Atommülls aufkommen. Die Idee sorgt für Aufruhr in der Energiebranche.

Ihr Konzept sieht vor, dass die vier Atombetreiber Deutschlands (RWE, Eon, Vattenfall und EnBW) Rückstellungen in Höhe von insgesamt 38 Milliarden Euro einbringen. Müller selbst steht der Kohlestiftung vor, die die Altlasten des Steinkohlebergbaus tragen soll (da ist 2018 Schluss). Für den Ex-Minister ist aber eine wichtige Voraussetzung für die Atomstiftung nicht verhandelbar: Die Energieriesen müssten ihre Millionen-Klagen gegen die Bundesregierung fallen lassen.

Eine Stiftung könnte RWE an die Belastungsgrenze bringen

Ein Rückblick: Nur eine Woche nach der Atomkatastrophe in Fukushima am 11. März 2011 hatten die Behörden alle deutschen Atomkraftwerke einem Stresstest unterzogen. Die sieben ältesten Reaktoren sowie das nach schweren Pannen seit 2009 abgeschaltete AKW Krümmel (Schleswig-Holstein) wurden sofort stillgelegt. Die Energieversorger halten dies für einen rechtswidrigen Eingriff in ihre Eigentumsrechte. RWE hat in seiner Klage für entgangene Gewinne aus dem Betrieb des AKW Biblis insgesamt 235 Millionen Euro Schadenersatz geltend gemacht. Eon verlangt wegen der Abschaltung der Kraftwerke Isar 1 (Bayern) und Unterweser (Niedersachsen) 380 Millionen Euro. Vattenfall will insgesamt sogar 4,7 Milliarden Euro Schadenersatz.

Eine 38 Milliarden Euro schwere Atomstiftung könnte RWE an die Belastungsgrenze bringen: Der Konzern müsste davon etwa 10 Milliarden Euro beisteuern, doch sein Börsenwert ist mittlerweile auf rund 12,4 Milliarden Euro zusammengeschnurrt. Mit einer solchen Last ist nicht auszuschließen, dass auf RWE zumindest eine Teil-Verstaatlichung zukommen könnte.

Und dann bleibt da noch eine Gretchen-Frage: Werden die angedachten 38 Milliarden Euro überhaupt ausreichen? Erst kürzlich hatte die von der Bundesregierung mit der Suche nach einem Endlager beauftragte Kommission Kosten von 50 bis 70 Milliarden Euro veranschlagt.

Grafik: Statista

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