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Die OPEC lässt den Ölhahn offen – und die Preise purzeln

Von Mario Springer, Geschäftsführer

Diese Entscheidung war keine Überraschung: Obwohl das Angebot auf dem Weltmarkt bereits groß ist, beschloss die OPEC am Freitag, weiterhin die immense Menge von 30 Millionen Barrel am Tag zu fördern. Erwartungsgemäß befindet sich der Ölpreis nun auf Talfahrt.

Teil_58_statistic_id810_preisentwicklung-ausgewaehlter-opec-rohoele-bis-2015Heute Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Lieferung im Juli) 62,82 Dollar – das sind 49 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 49 Cent auf 58,64 Dollar. Diese Preise zeigen, dass die OPEC auf dem besten Weg ist, ihr Ziel zu erreichen – nämlich den Schieferöl-Produzenten in Nordamerika wieder Marktanteile abzunehmen. Das Kartell kann es sich leisten.

Mehr verdient als in den 50 Jahren zuvor

Denn allein zwischen 2007 und 2015 hatte die OPEC dank der explodierenden Ölpreise nach eigenen Angaben mehr verdient als in den 50 Jahren zuvor (s. Grafik). Dabei ist es bei dem derzeitigen Preis-Niveau sogar für einige der zwölf OPEC-Länder schwierig, kostendeckend zu produzieren. Mitglieder wie Venezuela bräuchten eigentlich einen deutlich höheren Ölpreis, um ihren Staatshaushalt am Laufen zu halten. Doch die Schieferöl-Produzenten in den USA benötigen nun einmal mindestens 70 Dollar pro Dollar, um einigermaßen rentabel zu arbeiten – Fracking ist eine teure Angelegenheit.

Mit Blick auf die Konkurrenz in Nordamerika erklärte darum der katarische Ölminister Mohammed bin Saleh Al Sada nach der OPEC-Sitzung am Freitag: „Wir reagieren auf den Markt so, dass wir unseren Marktanteil nicht an weniger effiziente Produzenten verlieren.“ Diese rigide Preispolitik zahlt sich langsam aus: In den vergangenen Monaten gingen die Investitionen in unkonventionelle Fördermethoden deutlich zurück, die Fracking-Bohrungen befinden sich in den USA auf einem Langzeit-Tief.

Tauschgeschäft zwischen dem Iran und Russland

Unterdessen macht ein anderer Akteur auf dem Weltmarkt für Öl gerade wieder von sich reden – der Iran. Der nimmt nämlich jetzt sein lang geplantes Tauschgeschäft Öl gegen Waren mit Moskau auf. Teherans Ölminister Bidschan Sanganeh wurde nach seiner Rückkehr vom OPEC-Treffen in Wien mit den Worten zitiert: „Russland wird diese Woche mit den Öleinfuhren aus dem Iran beginnen.“ Darauf habe er sich mit dem russischen Energieminister Alexander Nowak geeinigt. Der Deal sieht vor, dass Russland etwas weniger als 500.000 Barrel Öl kaufen werde – im Gegenzug soll der Iran mit den daraus resultierenden Erlösen russische Waren wie Stahl, Weizen und Ölprodukte erwerben.

Seit 2012 sind die iranischen Ölexporte unter dem Druck der westlichen Sanktionen wegen des Atomstreits um mehr als die Hälfte auf rund 1,1 Millionen Barrel gesunken. Anfang April hatten sich die fünf UNO-Vetomächte und Deutschland mit dem Iran auf Grundzüge eines Atomabkommens geeinigt. Bis zum 30. Juni sollen die Einzelheiten abgeklärt sein. Danach sollen die Exportsanktionen Schritt für Schritt abgebaut werden.

Wenn der Iran wieder grenzenlos Öl exportieren darf, müssen die Karten ohnehin nochmal ganz neu gemischt werden.

Grafik: Statista

2 Kommentare

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  1. […] Die OPEC hat kein Interesse daran, dass der momentan niedrige Ölpreis (etwa 65 Dollar pro Barrel) wieder ansteigt. Damit macht sie zwar deutlicher weniger Gewinn, bringt allerdings auch ihre Konkurrenten in den USA und Kanada in die Bredouille. Kein Wunder also, dass die OPEC Anfang Juni ihr Produktionslevel bei etwa 30 Millionen Barrel pro Ta… […]

  2. […] Die wichtigste Entwicklung beim Öl ist zweifelsohne, dass die Förderung von Schiefergas und Schieferöl in den USA zu einer immensen Umwälzung geführt hat. Denn nun haben die Vereinigten Staaten Saudi-Arabien als weltweit größten Ölproduzenten abgelöst und Russland als die weltweit größte Fördernation von Öl und Gas überholt. Dies erklärt auch die aktuelle Preispolitik der OPEC, die ihre Fördermenge derzeit auf dem Rekord … […]

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