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Die Bier-Lobby macht gegen Fracking mobil

Von Mario Springer, Geschäftsführer

Am Montag fand die parlamentarische Beratung des Bundestags-Umweltausschusses zum neuen Fracking-Gesetz statt. Der umstrittene Entwurf soll ja noch in diesem Monat im Parlament durchgewinkt werden.

Teil_59_statistic_id3406_bierabsatz-in-deutschland-bis-2014Sieben Fachleute traten vor den Ausschuss, um das Für und Wider der verpönten Gasförder-Methode zu erläutern. Beim Fracking werden unterirdische Risse erzeugt, oft in Schiefergestein. Dazu wird zunächst der Drill bei einer Bohrung in der Tiefe in die Horizontale geschwenkt. Aus den so entstandenen Schächten wird Wasser mit etwas Sand und chemischen Additiven ins Gestein gepresst. Dadurch entstehen Kanäle, durch die in Poren eingeschlossenes Erdgas zum Förderschacht strömen kann.

Jeder 2. Bierbrauer hat einen eigenen Brunnen

Anlässlich der Anhörung meldete sich auch der Deutsche Brauer-Bund (DBB) zu Wort: Er appellierte an die Bundesregierung und den Bundestag, flächendeckend alle Trinkwasservorkommen vor möglichen Risiken der Fracking-Technologie zu schützen. Dies soll natürlich auch speziell die Quellen der Bierhersteller umfassen. Die Brauer haben sich hierfür 2013 einem Verbund aus rund 1000 Getränkeunternehmen angeschlossen. Das „Bündnis zum Schutz von Wasser“ setzt sich für eine möglichst restriktive Regelung künftiger Fracking-Vorhaben ein. Ihm gehören unter anderem die Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr, die Gelsenwasser AG, der Verband Deutscher Mineralbrunnen, die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) an.

Der Bierkonsum, der so gar nicht mehr in unsere Zeit der Fitness-Armbänder und der Selbst-Optimierung passen mag, befindet sich seit Jahren in einem kontinuierlichen Abwärtstrend (s. Grafik). Und dennoch: Die Brauereien verbrauchen jährlich 35 Milliarden Liter Wasser, um 9,5 Milliarden Liter Bier zu erzeugen. Knapp die Hälfte der deutschen Brauereien verfügt über eigene Brunnen.

Macht dann jedes Bundesland, was es will?

Anlässlich der Anhörung im Umweltausschuss kritisierte DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele, dass nach dem Gesetzentwurf der Bundesregierung zwar Wasserschutzgebiete, Heilquellen und weitere Gebiete, aus denen Trinkwasser für die öffentliche Versorgung stammt, durch ein Verbot vor den Tiefbohrungen geschützt sind – nicht aber die Wassereinzugsgebiete für die Lebensmittel- und Getränkeherstellung. Hier sieht das Gesetz vor, dass die Länder Einzelentscheidungen treffen – hier droht also in Deutschland ein Flickwerk an Regelungen.

Die Opposition befürchtet durch das Fracking eine potenzielle Verschmutzung des Trinkwassers und massive Umweltschäden – entsprechende Fälle werden aus den USA immer wieder gemeldet, wo die Gas-Fördermethode einen wahren Wirtschaftsboom ausgelöst hat.

Nach dem Gesetzentwurf der Koalition soll das bestehende Berg- und Umweltrecht verschärft werden. Unter strengen Auflagen soll die „unkonventionelle Gasförderung aus härteren Gesteinsschichten“ künftig erprobt werden, 2019 könnte es dann eine kommerzielle Förderung geben.

Grafik: Statista

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