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Der OPEC-Plan geht auf – Schieferöl-Produktion auf Talfahrt

Von Mario Springer, Geschäftsführer

Am 5. Juni hatte die OPEC beschlossen, ihre Rekordproduktion nicht herunterzufahren. Damit soll die derzeitige Ölschwemme aufrechterhalten und Konkurrenten in den USA in die Schranken verwiesen werden – denn das Fracking in Nordamerika ist teuer und der derzeit niedrige Ölpreis macht es unrentabel. Die neuesten Zahlen der U.S. Energy Information Administration (EIA) zeigen: Der OPEC-Plan scheint aufzugehen – die Förderung von Schieferöl (und Schiefergas) in den Vereinigten Staaten geht auf Talfahrt.

Teil_61_EIADie OPEC hat kein Interesse daran, dass der momentan niedrige Ölpreis (etwa 65 Dollar pro Barrel) wieder ansteigt. Damit macht sie zwar deutlicher weniger Gewinn, bringt allerdings auch ihre Konkurrenten in den USA und Kanada in die Bredouille. Kein Wunder also, dass die OPEC Anfang Juni ihr Produktionslevel bei etwa 30 Millionen Barrel pro Tag beließ. Jetzt verlieren immer mehr Fracking-Anlagen in Nordamerika ihre Rentabilität.

Vor allem Süd-Texas ist betroffen

Der neueste Monatsbericht der EIA geht davon aus, dass die Produktion aller US-Schieferöl-Bohranlagen im nächsten Monat jeden Tag um mehr als 90.000 Barrel sinken wird. Das belegen die Daten aus den sieben wichtigsten Förderregionen der Vereinigten Staaten (Bakken, Eagle Ford, Haynesville, Marcellus, Niobrara, Permian, Utica) – in diesen Gebieten finden 95 Prozent der gesamten Schieferöl-Produktion der USA statt.

Mehr als die Hälfte des Rückgangs um 90.000 Barrel pro Tag entfällt allein auf die Förderregion Eagle Ford in Süd-Texas: Dort soll die Produktion im Juli pro Tag um 49.000 Barrel im Vergleich zum Juni zurückgefahren werden (s. Tabelle). Damit spitzt sich ein Trend zu, der mit dem Beginn des Ölpreis-Verfalls vor einem Jahr anfing (damals stand der Ölpreis bei 115 Dollar pro Barrel).

Schon jede 3. Schieferöl-Anlage wurde still gelegt

In der zweiten Jahreshälfte 2014 mussten bereits mehr als 600 Fracking-Bohranlagen in den USA geschlossen werden. Als der Ölpreis in großen Schritten absackte, gingen bis zu 75 Förderanlagen pro Woche außer Betrieb, momentan sind es im Durchschnitt etwa 10 Bohrlöcher pro Woche. Insgesamt steht mittlerweile jede dritte Schieferöl-Anlage still – und wartet auf höhere Ölpreise.

Dabei gibt es durchaus OPEC-Mitglieder, die im Gegensatz zum Vorzeige-Land Saudi-Arabien durchaus Probleme durch dem anhaltend niedrigen Ölpreis bekommen. Das riesige Haushaltsloch in der Staatskasse Venezuelas ist hinlänglich bekannt, doch selbst einige Golfstaaten haben mittlerweile Schwierigkeiten.

Zu ihnen gehört Katar: Zum ersten Mal seit 15 Jahren rechnet der Golfstaat für 2016 mit einem Haushaltsdefizit in Höhe von 4,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Regierung räumt ein, dass das Loch in der Staatskasse aus dem gesunkenen Ölpreis resultiere.
(Grafik: EIA)

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