OILCO-Energiewelt Analysen

Der Ölpreis-Sturz ist vorbei: Das sind die 3 größten Verlierer

Von Mario Springer, Geschäftsführer

Seit dieser Woche ist das Ende des Ölpreis-Sturzes absehbar. Um satte 20 Prozent legte das schwarze Gold in den vergangenen zwei Wochen an Wert zu. 100 Liter Heizöl kosten in Deutschland derzeit schon wieder rund 60 Euro, etwa sechs Euro mehr als am Tiefpunkt.

Auch die Experten der Internationalen Energieagentur (IEA) erklärten in dieser Woche, dass die Zeichen auf Preis-Anstieg stehen. Wagen wir einen ersten Rückblick: Welche Staaten sind die größten Verlierer dieses fast historischen Ölpreis-Sturzes?

Platz 3: Mexiko
Das nennt man mieses Timing: Erst vor ein paar Monaten hatte die Regierung das staatliche Erdölmonopol einkassiert. Dieses hatte private Mitbewerber jahrzehntelang vom heimischen Markt ferngehalten. Die Gewinne, die hier jetzt eingefahren werden sollten, verplante die Regierung schon einmal für den Staatshaushalt. Jetzt wurde bekannt gegeben, dass das Haushaltsbudget für das laufende Jahr um 8,4 Milliarden Dollar gekürzt werden müsse. Ein herber Rückschlag für die Regierung um Präsident Enrique Peña Nieto und das kurz vor den Zwischenwahlen.
Mexiko will zukünftig wie seine nordamerikanischen Nachbarn auf die Förderung von Schiefer-Vorkommen setzen, etwa durch Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko. Konzerne wie Exxon Mobile und BP lieferten sich bis vor kurzem ein Rennen um 14 Flachwasser-Projekte. Jetzt aber sind alle vorsichtig mit Investitionen. Profitieren von den Einnahmen sollte auch der staatliche Energiekonzern Pemex – doch hier müssen jetzt viele Pläne auf Eis gelegt werden.

Platz 2: Venezuela
Kein OPEC-Mitglied leidet so sehr wie Venezuela. Das südamerikanische Land steckt tief in der Rezession, denn seine Einnahmen resultieren zu 96 Prozent aus dem Ölexport. In dieser Woche zog man auch offiziell die Konsequenzen aus den fehlenden Einnahmen: Der Kurs der Landeswährung wird gelockert, damit eine Abwertung erfolgen kann. Bereits in den kommenden Tagen soll eine neue Devisenplattform namens „Marginal Currency System“ oder Simadi an den Start gehen. Der neue Mechanismus ist flexibel und legt den Wechselkurs der Landeswährung Bolivar nach Angebot und Nachfrage fest. Damit soll der Haushalt saniert werden.
Der offizielle Umtauschkurs liegt je nach Ware zwischen etwa 6 und 50 Bolivar pro Dollar. Auf dem Schwarzmarkt aber sieht das Verhältnis anders aus, nämlich etwa 190:1. Die Ratingagentur Moody’s warnte grade erst vor der drohenden Staatspleite. Das neue flexible Wechselkurssystem soll das nun abwenden. Die sozialistische Regierung von Präsident Nicolas Maduro versucht mit der Lockerung der strengen staatlichen Devisenkontrollen auch, die unter Engpässen bei Lebensmitteln und Verbraucherprodukten leidende Wirtschaft wieder anzuschieben.

Platz 1: Russland
Gold geht ganz klar an Putin und Co.: Der Kreml rechnet aufgrund des niedrigen Ölpreises und der westlichen Sanktionen (Ukraine-Krise) für dieses Jahr mit einem BIP-Rückgang um 3 Prozent (bisherige Prognose: – 0,8 Prozent). Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew erklärte in dieser Woche, die Regierung gehe offiziell von einer Inflationsrate von zwölf Prozent aus. Die Zentralbank hatte Mitte Dezember offiziell gewarnt, dass die Wirtschaft sogar um bis zu 4,8 Prozent einbrechen könnte. Mit 150 Milliarden Dollar erreichte die Kapitalflucht im Jahr 2014 einen neuen Rekord, im laufenden Jahr soll sie bei etwa 115 Milliarden Dollar liegen.
Die Folgen für die russische Energiebranche sind katastrophal. Moskau musste Rosneft mit einer Spritze von 10 Milliarden Dollar helfen, Lukoil will sogar 50 Milliarden Dollar. Die IEA geht davon aus, dass die russische Ölproduktion bis 2020 um mehr als eine halbe Million Barrel täglich einbrechen wird. Russlands Förderkapazitäten sollen auf das Niveau von vor 2010 zurückfallen. Durch die Sanktionen fehlen Investitionen und der Zugang zur neuesten Technik. Projekte in Sibirien und in der Tiefsee liegen ohnehin auf Eis.
Die Folgen für die Politik sind noch gar nicht abzusehen: Russlands Staatseinnahmen sind zu mehr als der Hälfte von den Ölexporten abhängig. Mit dem sinkenden Ölpreis wurde auch die Macht des Kremls ausgehöhlt, selbst die IEA sorgt sich um die politische Stabilität Russlands.

Fazit: Mexiko hat wirtschaftliche Probleme, in Venezuela wankt sogar der Staat an sich – und in Moskau gerät ein ganzes Polit-System ins Trudeln. Die endgültigen Folgen des Ölpreissturzes 2014/15 sind wohl noch gar nicht abzusehen.

1 Antwort

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] spürbar. Die Ursachen für diese Entwicklung sind geopolitischer und volkswirtschaftlicher Art. Zum einen zieht der Preis der Nordsee-Sorte Brent weiter an: Zahlte man für ein Barrel zur Jahreswende noch 46 Dollar, sind es nun wieder etwa 62 Dollar – […]

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