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Atomverhandlungen: Der Countdown zur iranischen Ölschwemme läuft

Von Mario Springer, Geschäftsführer

Die Verhandlungen über ein iranisches Atomabkommen belasten den Ölpreis immer stärker. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete zuletzt 62,53 US-Dollar. Das waren 48 Cent weniger als vor einer Woche. Sollten die Sanktionen gegen den Iran tatsächlich ab Ende Juni gelockert werden, kommt das iranische Öl zurück an die Märkte – und das weltweite Überangebot nimmt noch einmal deutlich zu.

Teil_63_statistic_id417436_erdoelfoerderung-weltweit-nach-laendern-2015Noch im Jahr 2011 produzierte der Iran täglich etwa 4,4 Millionen Barrel. Momentan beträgt die iranische Ölproduktion etwa 2,8 Millionen Barrel am Tag. Davon dürfen jedoch nur eine Million Barrel exportiert werden. Zu den verbliebenen Öl- Abnehmern gehören vor allem China, Japan, Südkorea und Indien (sie alle erhielten von den USA Ausnahmeregelungen).

Syrien kauft Öl – auf Kredit

Seit fast zwei Jahren ist zudem Syrien einer der wichtigsten Öl-Kunden des Iran. Denn ein großer Teil der syrischen Ölvorräte wird von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kontrolliert. Teheran aber liefert Syrien Öl in großem Stil – und zwar auf Kredit. Nach Angaben der Internationalen Energie-Agentur (IEA) kaufte Syrien im vergangenen Jahr iranisches Öl im Wert von einer Milliarde US-Dollar. Für Teheran ist es ein Spiel mit Risiko, denn seit dem Beginn des Bürgerkriegs in Syrien (2011) war die Landeswährung Pfund im Vergleich zum US-Dollar um rund 80 Prozent abgewertet worden.

Bereits im Vorfeld der Atomverhandlungen in Lausanne hatte der iranische Ölminister Bijan Zanganeh angekündigt, sein Land könne die Ölproduktion schnell um eine Million Barrel pro Tag erhöhen. Sollte die iranische Produktion wieder auf 4,4 Millionen Barrel zurückkehren, würde das Land wieder Anschluss an die Top-3-Ölproduzenten der Welt (USA, Russland, Saudi-Arabien) finden (s. Grafik).

Die EU schloss den Iran von Swift aus

Die Folgen für die iranische Wirtschaft seit Beginn der Atom-Sanktionen waren verheerend: Die Staatseinnahmen sanken um bis zu 60 Prozent, das Wirtschaftswachstum sank 2013 (bei einer Inflationsrate von 35 Prozent) um 5,8 Prozent. Und dann hatte die EU noch entschieden, den Mullah-Staat vom internationalen Bankensystem Swift auszuschließen. Damit wurde der Zahlungsverkehr zwischen iranischen und ausländischen Banken weitgehend unmöglich gemacht.

Jetzt wartet alle Welt auf das Ergebnis der Atomverhandlungen. Offiziell will man bis zum 30. Juni eine Einigung erzielen, ein paar Verhandlungstage mehr würden indes niemanden überraschen. Dann aber könnte der Ölpreis recht schnell auf Talfahrt gehen: Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte berichtet, dass der Iran auf einem Vorrat von bis zu 35 Millionen Barrel Rohöl sitzt. Und im Persischen Golf liegen 13 Supertanker vor Anker, die bis zum Rand mit Öl gefüllt sein sollen. Dieses gebunkerte Öl soll als allererstes auf den Markt geworfen werden, wenn es zu einer Einigung im Atomstreit kommt. Es bleibt also spannend.

(Grafik: Statista)

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